Montag, 5. Oktober 2015

1961

 "Uns treibt die Kraft aus dem was uns verbleibt."
(Deanie in Fieber im Blut)
 
Der langjährige Leser weiß, es ist meine Tradition sonntagabends um 20:15h den Klassiker auf Arte zu sehen, gleich ob 1940er, '50er oder 1960er Jahre, das verspricht stets Anspruch und Klasse, was Arte dort aus der Filmgeschichte hervorzaubert. Die besondere Atmosphäre, der relativ technische Rückschritt und die Schauspieler faszinieren mich Monat für Monat auf's Neue. So war es auch gestern. Und warum ich das ganze so plötzlich erzähle? Es war das berührendste Filmende, an das ich mich je erinnern kann, ein Ende, das Dich, das Jeden tief bis ins Mark trifft. weil es ehrlich ist, weil es das Leben ist, Du kannst es hassen, Du kannst es bedauern, aber das ist die Wahrheit. Hart. Echt. Leer. Am Ende sitzt Du da, und glaubst, da hat dir gerade jemand Dein Herz rausgerissen. Fassungslos. Schonungslos. Regungslos. Unendlich traurig. Eine bittersüße Verneigung vor dem Leben. 

Das Lexikon des internationalen Film schreibt dazu: „Das Drehbuch zu dem ausgezeichnet gespielten Film schrieb der Dramatiker William Inge, dessen Stärke die lebensnahe Schilderung der provinziellen Mittelklasse seines Landes war.“ Und zwar mit Recht! Was die junge Natalie Wood als Deanie und der Frauenschwarm Warren Beatty als Bud anno 1961 ge- und verzaubert haben, ist zeitlos. Dabei spielen sie die Hauptrollen in dem "Oscar-prämierten Drama über das Scheitern einer Liebe im puritanischen Kansas der 1920er Jahre". Und anno 2015 sitzt Du da, sprachlos, und denkst, halt, nein, das ist meine Geschichte - und dir laufen die Tränen über die Wangen. 

Und das ist wirklich auch ein Liebesdrama mit Substanz und Zeitgeschichte, allein wie damals der gesellschaftliche Blick auf psychisch erkrankte Menschen war, geächtet und beschämend für die Familie. Und dabei ist es nur zu menschlich, mit diesem Schicksal alles in Frage zu stellen, sich, das Leben, den Sinn, und umso erfreulicher, dass man heute auch Respekt vor den Menschen hat, die sich in eine psychosomatische Klinik begeben. Wenn jemand den Film kennt, bin sehr gespannt auf das seine Urteil, Arte zeigt übrigens am Dienstag um 13:50h nochmal eine Wiederholung.
 
Ja, wöchentlich sehen wir Menschen, die einander ähneln, so zum verwechseln ähnlich, dass wir sie kaum zu unterscheiden vermögen, und doch verbietet sich jeder Vergleich, weil so viel mehr dahinter steckt. Ma war (mein) Alles. Der Kopf. Der Witz. Das Gesetz. Und es ist bedeutlungslos wie oft ich glaube sie zu sehen, nur wenn ich zurücksehe, sehe ich die Wahre, umso größer mein Respekt vor den Menschen, die den Schmerz, die große Liebe verloren zu haben, zu überwinden imstande sind. Ich bin es nicht und deswegen stehe ich da, wo ich heute stehe...

 Herbstmusik 2015
Ivy Quainoo - Wildfires
Madeline Juno - Like Lovers Do 
(aus ihrem weltklasse Album "The Unknown", persönlicher Favorit: "Do It Again")
Mark Oh - When The Children Cry

Kommentare:

  1. hm, ich bin niemand, der sich Unterstützung bei großen oder kleinen anderen denkern holt also auch nicht aus der Philoecke. Erstens weil da oft mein Kopf beim Leseverständnis streikt :-) und dann, weil ich selber für mich Dinge klar kriegen möchte, und mich nicht auf bereits gedachtes verlassen will. Bisweilen stoße ich natürlich auf Sätze, deren Inhalt mir ein echtes Ahaerlebnis ist und das tut gut! aber zum freien willen zb lese ich eher der Hermeneutik wegen und nicht um mich dann darauf zu versteifen, was Xy dazu meinte.

    Der (vorletzte :-)) Satz bedeutet genau dies:
    Wir müssen nicht das tun, was wir wollen.
    Man könnte den Willen hierbei vielleicht auch durch Impuls oder Trieb ersetzen. Aber ich denke, es geht idT weiter: wir können über das Ziel unserer Wünsche reflektieren und müssen nicht zwangsläufig jedem Wunsch folgen. Wenn ein Wunsch sich zb darauf ausrichtet, 30kg wiegen zu WOLLEN, haben wir (trotz Krankheit) noch eine gewisse Freiheit, diesen wunsch als wunsch anzuerkennen, ohne ihm iim Verhalten zu folgen.

    Den Absatz zu den Kindern und schokolade kapiere ICH nicht *gg* Ich werde auch nie welche haben. Also Kinder.

    Bis dann!

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